Die Freiheit zuerst im eigenen Land verteidigen - oder herstellen
On-line gesetzt am 1. März 2015
zuletzt geändert am 14. März 2015
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Vor ein paar Jahren behauptete "Verteidigungs" - Minister Struck: „Die Freiheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt.“ Heute fordert Finanzminister Schäuble, den Rüstungsetat zu erhöhen, weil die gewachsene Verantwortung Deutschlands in der Welt verlange, dass "wir" mehr Lasten auf unsere Schultern nehmen.

Solche Parolen mehren sich in den letzten Jahren. Dazu passt, was der französische Schriftsteller Paul Valéry einmal sagte :

„Politik ist die Kunst, uns von den Dingen abzulenken, die uns wirklich was angehen.“

Bei jedem Thema sollten wir zuerst prüfen, worin unsere reale Verantwortung liegt, wie wir, d.h. unser Land, unsere Wirtschaft unser Lebensstil und unser politisches Handeln mit den Ursachen zusammenhängen. Und was wir in unserem eigenen Land tun können, um das Unrecht oder die Gewalt hier und anderswo zu bekämpfen. Für uns in der gewaltfreien Bewegung ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit, ob wir zuerst „vor der eigenen Tür kehren“, d.h. die Strukturen der Ausbeutung und Beherrschung im eigenen Land analysieren ins öffentliche Bewusstsein rücken und angreifen.

Der soeben angelaufene Film „Selma“ mag in einigen Details nicht ganz korrekt sein, mich hat er beeindruckt, weil er die Gewalt beinhaltenden Verhältnisse klar benennt und die Entschlossenheit zum Widerstand zum Ausdruck bringt.

Es folgen Zeugnisse über die Ereignisse vor 50 Jahren :

Die Freiheit erst im eigenen Land verteidigen

Im Mai 1965 stellte Heinz Pol in der Zeitschrift „Die Friedensrundschau“ die Kriegführung der USA in Vietnam dem Kampf der Bürgerrechtsbewegung in den Südstaaten des eigenen Landes gegenüber :

„ Die Frage ist..., ob die Vereinigten Staaten mit gutem Gewissen und moralisch-ethischer Berechtigung die Freiheit aller Nationen, auch der farbigen verteidigen können, wenn im eigenen Land der Rassenkonflikt so unwürdige Formen angenommen hat, dass es Millionen von farbigen amerikanischen Bürgern nicht erlaubt wird, von ihrem gesetzlich gesicherten Wahlrecht Gebrauch zu machen ? Schlimmer noch, wenn die Neger gegen das Unrecht friedlich protestieren, werden sie, um nur das Beispiel der Stadt in Alabama zu erwähnen, misshandelt und verhaftet“...

„ Das Städtchen Selma hat rund 30 000 Einwohner, über 50 Prozent davon sind Farbige. Obwohl viele Tausende von ihnen wahlberechtigt sind,ist es nur 335 davon gelungen, ihren Namen in die Wahllisten einzutragen. Dagegen hat der „starke Mann“ von Selma, der überaus brutale Polizei-Chef Jim Clark, im Laufe der letzten Wochen außer Dr. Luther King und ein paar anderen Führern der „Civil Rights“-Bewegung über 3400 friedlich demonstrierende Neger und Negerinnen, darunter hunderte von Kindern, verhaftet und ins Gefängnis geworfen.“...

„ Aber man darf vielleicht daran erinnern, dass Freiheit bekanntlich im eigenen Land beginnt, und dass man andere nur dann wirklich davor bewahren kann, in die Sklaverei zu fallen, wenn man bei sich selbst auch die letzten Spuren von Versklavung beseitigt hat. Es ist daher kein Wunder, dass nicht nur Männer wie Friedens-Nobelpreisträger Dr. King die Ansicht vertreten, eine Lösung der großen inneren Krise der Vereinigten Staaten sei mindestens ebenso dringend notwendig, wie das Bemühen die Bevölkerung von Südvietnam zu befreien. Die wirkliche Distanz zwischen Selma und Saigon ist weitaus kürzer als die geographische.“

Eine Betrachtung von Martin-Luther King im pdf-Format

„Gewaltlosigkeit stärker als Kugeln“

aus "Die Friedensrundschau" 19. Jahrgang, Mai Nr. 5 / 1965

Und noch ein Kommentar zu den Veränderungen in den USA seit 1965 :

Auszug aus „Der endlose Marsch“ in : „der Freitag“, 19. Februar 2015

„ ...Das Dilemma ist im Film schon angelegt, wenn King seinen wichtigsten Berater fragt, welche Freiheit er denn erkämpft hätte, wenn Schwarze zwar das Recht hätten, an jedem Imbiss zu essen, es sich aber nicht leisten könnten. Die Vermögens- und Einkommensunterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sind heute größer als 1965. Wenn die letzten 50 Jahre eines bewiesen haben, dann dass das abstrakte Recht auf Selbstbestimmung nicht mit tatsächlicher Gleichheit identisch ist.....“

Eine Reflexion von George Lakey:

The long walk for justice

Schließlich ein Dokument, wie in der gewaltfreien Bewegung Deutschlands 1965 die Nachrichten von der Bürgerrechtsbewegung in den USA aufgenommen und verstanden wurden:

Theodor Ebert: Martin Luther Kings gewaltlose Strategie

Eindrucksvolle Fotografien vom ersten Marsch von Selma ...

http://www.sueddeutsche.de/politik/jahre-bloody-sunday-in-usa-marschieren-fuer-das-wahlrecht-1.2382473

Mit gemeinsamen Liedern lässt sich leichter demonstrieren:

Freedom Chants

Marching on to Freedom Land

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