Ankern über dem Salzstock
Das Greenpeace-Schiff Beluga steht jetzt als Mahnmal am Gorlebener Erkundungsprojekt
On-line gesetzt am 18. Mai 2013
logo imprimer

rg Gorleben. Einst kämpfte die Beluga mit ihrer Besatzung aus Greenpeace-Aktivisten gegen das Versenken des schwimmenden Riesen-Öltanks »Brent Spar» im Atlantik. Das ehemalige Feuerlöschboot kreuzte vor der Atommüll-Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague und unternahm Kampagnenfahrten für die Erhaltung des Regenwaldes und gegen die Verschmutzung der Meere.

Doch diese Kampfzeiten schienen vorbei. 2004 schon musterte Greenpeace die Beluga aus, und parkte sie als Museumsschiff am Sea Life Centre in Oberhausen. Seit Anfang dieser Woche jedoch kämpft die Beluga wieder: als Mahnmal gegen die bundesdeutsche Atompolitik, und zwar vor dem Endlagerprojekt in Gorleben. Gestern wurde das Mahnmal offiziell eingeweiht.


An einem Tag, den Greenpeace und die Familie von Bernstorff, auf deren Grund die Beluga nun ankert, mit Bedacht gewählt haben: den Tag der ersten Lesung des neuen Endlagersuchgesetzes im Bundestag. Das habe nämlich schwere Mängel, so Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. Vor allem jenen, dass »wieder einmal alles auf Gorleben hinaus läuft», stellte Edler heraus. Das Gesetz stelle keinen echten Neuanfang bei der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager da, sondern stehe dieser Suche sogar im Wege, meint Greenpeace und fordert, dass sich alle Parteien im Bundestag in einem ersten Rahmengesetz ausschließlich zu dem gemeinsamen Ziel der Suche nach dem bestmöglichen Endlagerstandort in Deutschland verpflichten, stellte Edler heraus. Und das könne keinesfalls Gorleben sein, denn der dortige Salzstock sei erwiesenermaßen vollkommen ungeeignet, so Edler. Auch und vor allem daran solle die Beluga erinnern.

Kritik an dem Gesetz kam auch von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI). »Schon das erklärte Ziel des Gesetzes ist fragwürdig», so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Denn der »angebliche Neustart», so Ehmke, ziele darauf, ein Endlager zu finden, in dem dann alle radioaktiven Abfälle eingelagert werden könnten, die nicht im Schacht Konrad untergebracht werden dürfen. Das sei eine »Abkehr von einem Zwei-Endlager-Konzept - ohne Debatte, ohne sachliche Erklärung und ohne vorherige Prüfung, ob ein solches End-lager möglich ist», kritisiert Ehmke. Die Anti-Atom-Kampagne »Ausgestrahlt» kritisierte das neue Gesetz als intransparent und »schlecht gemacht». Es werde weder das nötige Vertrauen schaffen noch die deutschen Atommüll-Probleme lösen, so Kampagnen-Sprecher Jochen Stay. »Der heutige Tag ist kein guter Tag für die kommenden Generationen», stellte Stay heraus. Denn das neue Endlagersuchgesetz sei so mangelhaft, dass damit »eine Suche nach einem guten Lagerplatz für Atommüll kaum gelingen wird», betonte Stay.

Bei der Samtgemeinde Gartow überlegt man unterdessen, zu prüfen, ob das Beluga-Mahnmal überhaupt ohne Genehmigung errichtet werden durfte. Für ihn nämlich sei das Schiff im Wald »genau so ein Schwarzbau, wie es das Erkundungsbergwerk für die Gorleben-Gegner ist», sagt Samtgemeindebürger meister Friedrich-Wilhelm Schröder.

Forum
auf diesen Artikel antworten

verbundenen Stichwörter

kommenden Ereignisse

keine kommenden Ereignisse


Website aufgestellt mit SPIP
mit der Schablone ESCAL-V3
Version: 3.86.39